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Zum Abschluss meiner Betrachtung lassen sich noch einige Fragen stellen: Warum zum Beispiel konnte sich diese neue Form der Jugendarbeit überhaupt etablieren? Bei einem Gespräch mit Narciss Göbbel machte dieser deutlich, dass es im Grunde genommen der Zeitpunkt war, der dies ermöglichte. Seine Ideen und die der Studenten stießen auf eine in den 80er Jahren offene Stadt: auf einen Verein mit offenen Menschen wie Franz Böhmert, Klaus-Dieter Fischer, Thomas Schaaf, Benno Möhlmann oder auch Wolfgang Sidka – und auf offene Fans. Hinzu kam, dass die Ideen von engagierten Mitarbeitern und Mitstreitern vertreten wurden. Warum wurde diese Arbeit dann nach kurzer Zeit nicht wieder beendet, wie so oft üblich? Dies liegt nach Meinung von Narciss Göbbel am Konzept des Fan-Projekts Bremen, das sich aus der Diskussion Vieler und auch aus der Möglichkeit des Experimentierens entwickelte. Wichtig war dabei, eine (damals durch die Subkulturtheorie theoretisch untermauerte) eigenständige Praxis und Position zu entwickeln, die nicht von den Positionierungen von Verein, Polizei oder Fans ausgeht. Wobei aber gerade der gute Kontakt zur Polizei dem Fan-Projekt über all die Jahre geholfen hätte. „Eines“, so Göbbel, „war dabei immer entscheidend: Der Fußball ist das Zentrum.“
Selbstverständlich gab es in all den Jahren auch Konflikte und Brüche. Bisher konnten diese aber immer produktiv gewendet werden. Der erste größere Bruch entstand mit der Festeinstellung zweier Mitarbeiter, was dazu führte, dass ein Teil der ersten Mitglieder das Fan-Projekt aus Kritik an der „Professionalisierung“ verließ. Doch mit der Initiative „Sitzen ist für’n Arsch" bekam das Fan-Projekt wieder neuen Grund unter die Füße und entwickelte sich weiter. Es entstand das Fan-Zentrum Ostkurve mit Räumlichkeiten für Fans mitten im Stadion. Aber Räumlichkeiten und ihre Nutzer produzieren neue Konflikte. Da geht es um das Verhältnis von hauptamtlicher zu ehrenamtlicher Arbeit, um die Vergabe der Räume, um Organisationsfragen und auch um so banale und alltägliche Dinge wie Sauberkeit und Ordnung. Durch die Beteiligung der Fans konnten diese Auseinandersetzungen allerdings bisher gemanagt werden. Darüber hinaus gab es auch Konflikte mit dem Verein und den Ordnungskräften. Diese Konflikte waren eigentlich immer bestimmt von Nähe und Distanz. Dabei musste das Fan-Projekt in seiner Mittlerfunktion immer eine Balance finden zwischen notwendiger Distanz und Unabhängigkeit gegenüber diesen Parteien und Erwartungen an Loyalität und Zusammenarbeit. Ähnliches gilt auch für das Verhältnis zu den Fans. An die Mitarbeiter eines solchen Projektes stellt diese Notwendigkeit des Ausbalancierens von zum Teil gegensätzlichen Erwartungen hohe Anforderungen. Denn dies beinhaltet unvermeidbar, dass Konflikte und Ambivalenzen ausgehalten werden und das Projekt seine eigenständige Rolle bei widersprüchlichen Anforderungen definiert, kommuniziert und verteidigt. Gelingt dieser Drahtseilakt nicht, läuft das Fan-Projekt Gefahr, seine Legitimation zu verlieren.
Bislang ist es in Bremen über 25 Jahre im Großen und Ganzen gelungen, eine derart ausbalancierte Vermittlerposition und Fan-Arbeit zu realisieren, was für die Zukunft des Fußballs und seiner Fans Mut machen sollte.


1 Der Autor bedankt sich bei Manfred Knaust und Narciss Göbbel.

Hafke, Thomas (2006)
In: Brandes, Holger u. a. (Hg.): Hauptsache Fußball – Sozialwissenschaftliche Einwürfe, S. 251 – 259.

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