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Die für die Fangruppen vorgesehenen neuen Räumlichkeiten im „Bauch“ der Kurve wurden dem Fan-Projekt im Frühjahr 1997 dann offiziell übergeben. Zuvor hatte das Projekt die Räume bereits in Beschlag genommen, denn die Vereinbarungen mit dem SV Werder beinhalteten, dass die Fans und das Projekt diese zwar mietfrei erhalten, aber dem Steuerzahler und Werder Bremen möglichst wenig kosten sollten. Also strichen die Fans ihre Räume selber an, verlegten die Teppiche und bauten einen großen Teil der Einrichtungsgegenstände selber. Als Kooperationspartner zum Bau der Einrichtung wurden wiederum der Schlachthof (Metallarbeiten) und die Jugendstrafanstalt Blockland (Holzarbeiten) gewonnen. Unterstützung bei der künstlerischen Gestaltung des Fan-Zentrums kam von der Hochschule Bremen (Tresengestaltung), vom Verein „Mauern öffnen“ (Kunstskulptur im Eingangsbereich) und vom Kultursenator (Wandbild im Ostkurvensaal).
Ohne dass dies ausdrücklich geplant war, entstand mit der Übernahme von Räumen in der Größenordnung von über 300 qm ein neues Projekt: Es mussten Sponsoren gefunden und Gelder zum Unterhalt der Räume erwirtschaftet werden. Darüber hinaus mussten Fans dafür gewonnen werden, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Im Ostkurvensaal des Fan-Zentrums werden seitdem regelmäßig Fan-Partys, Fanclubjubiläen, Geburtstage und Hochzeiten gefeiert. Vor und nach den Heimspielen haben die Werderfans einen eigenen Treffpunkt, von dem nun auch ihre Auswärtsfahrten ausgehen. Es gibt Übertragungen von Spielen auf einer Großbildleinwand und die verschiedensten Veranstaltungen. Der Dachverband Bremer Fan-Clubs und der Fan-Beauftragte des SV Werder haben hier ihr Büro gefunden und es gibt einen Sitzungsraum, eine Küche, eine Werkstatt und ein Lager. Das Fanprojekt Bremen ist hierdurch ein wirkliches Fanzentrum mitten im Weser-Stadion geworden. Neben diesem Zentrum liegen der Fanshop und die Spielerkabinen, darüber die Geschäftsstelle des SV Werder und noch weiter drüber das Spielerinternat. Unter der Woche tauchen neue, junge Fans auf. Sie basteln im Ostkurvensaal an riesigen Fahnen, Transparenten und buntem Kurvenschmuck. Sie definieren sich als „Ultras“ und haben sich zur Aufgabe gemacht, ihre Mannschaft nach italienischem Vorbild durch Kurvenchoreographien zu unterstützen. Der 200 qm große Ostkurvensaal in exklusiver Lage mitten im Stadion und mit angegliederter Werkstatt und Sitzungsraum (ausgestattet mit PC, Drucker, Kopierer, Fax, Video, DVD, Bibliothek und Fernseher) bietet ihnen dafür bis heute die besten Voraussetzungen.
Wie mit dem Begriff „Ultras“ schon angedeutet, hat sich nicht nur das Fan-Projekt Bremen im Laufe der Zeit gewandelt. Auch in der Fan-Szene haben sich international übergreifend und nicht nur in Bremen mit der Modernisierung des Fußballs Veränderungen ergeben. Waren früher die an den Vereinsstrukturen orientierten Fan-Clubs tonangebend, so sind es heute eher informelle, sich als „autonom“ verstehende Gruppierungen von Jugendlichen, die sich vorwiegend zum Zweck der Vereinsunterstützung zusammenfinden. Ihr Stil ist eher sportlich-mobil im Gegensatz zu den Fans der 70er und 80er Jahre, die so genannte „Kutten“ (Jeanswesten mit Aufnähern) und schweres Schuhwerk nach Art der Rocker trugen. Aber auch die Kuttenfans waren bereits eine Reaktion auf Veränderungen im Fußball selber, die sich als Ausdruck einer Entfremdung von Verein und Publikum und des Versuchs der Rückgewinnung der alten „Fußballfamilie“ beschreiben lassen. Zu ihrer Zeit allerdings hatte die Vermarktung des Fußballs erst begonnen. War es damals eher die Ausnahme, dass Spieler ihren Verein wechselten, ist dies heute gang und gäbe und gerade jugendliche Anhänger tun sich schwer, mit dieser Situation umzugehen. Eine Identifikation mit einzelnen Spielern oder der Mannschaft kann dann schnell zu schmerzhaften Erfahrungen führen. Verstehen heute die Vereine ihr Publikum in erster Linie als „Kunden“, so wollen die engagierten Jugendlichen, die ihre Zeit und Energie für ihren Verein opfern, gerade dies verständlicherweise nicht sein. Auf diese Weise hat sich zwischen Verein und Fans heute ein anderes Verhältnis entwickelt, das seinen Ausdruck in der Entstehung der „Ultras“ als Gegenbewegung zu dieser Kommerzialisierung findet. Die gegenseitige Entfremdung und damit einhergehende Konfliktpotenziale haben deshalb in den letzten Jahren zugenommen, so dass die Fan-Projekte heute noch stärker an einer Bruchstelle zwischen Verein und Fans stehen und hier zunehmend Vermittlungsarbeit leisten müssen.

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