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Zu einem für die Entwicklung des Fanprojektes zentralen Konflikt kam es in den 90er Jahren um die Frage der Stehplätze in der Ostkurve des Weser-Stadions. Hintergrund war die Katastrophe am 15. April 1989 im Hillsborough Stadion in Sheffield, als 96 Menschen in überfüllten Stehplatzblöcken erstickten oder erdrückt wurden. Infolge dieser Katastrophe wurden nicht nur in England die Stehplätze abgeschafft, sondern auch in Deutschland forderte der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger die Abschaffung aller Stehplätze in der Bundesliga. Dem Fan-Projekt Bremen kam zu Ohren, dass auch der SV Werder und die Stadt Bremen beim geplanten Umbau des Weser-Stadions mit dem Abriss und Neubau der alten Südtribüne und der Ostkurve die Abschaffung aller Stehplätze beabsichtigten. Diese Planung wurde damit begründet, dass die Stehplätze die Gewaltentwicklung im Stadion befördern würden. Aus Sicht des Fan-Projektes ging es dem DFB und den Vereinen bei dieser Politik aber mehr darum, zahlungskräftigeres Publikum anzulocken und die organisierten Fans endgültig aus den Stadien zu vertreiben. Wie weiter oben erwähnt, waren durch eine vorhergehende Umwandlung der Gegengeraden in Sitzplatztribünen die Fangruppen ja bereits in die schlechteren Kurven vertrieben worden.
Die deutsche Fankultur war aber nicht zufällig auf den Stehplatzrängen entstanden und fand dort in Form von Unterstützerritualen ihren Ausdruck. Welcher Chor setzt sich, wenn er singt? Wie soll man seine Mannschaft mit Fahnen-, Klatsch- und Schalchoreographien im Sitzen angefeuert werden? Wenn es keine Bewegungsmöglichkeit mehr in der Kurve gab, wie sollten die Fans sich untereinander kennen lernen und kommunizieren? Und vor allem: Wer konnte sich von den Jugendlichen überhaupt einen Sitzplatz leisten?
Zu diesen Fragen lud das Projekt alle Werder-Fans zu Informationsabenden und Diskussionen ein. Schnell kristallisierte sich heraus, was die Fans und das Projekt machen konnten und was nicht: Den Erhalt der alten Ostkurve zu fordern, wäre Unsinn gewesen, schließlich wollten ja auch die Fans endlich ein Dach über dem Kopf und vernünftige Toilettenanlagen. Demonstrieren und Petitionen schreiben – dafür fehlte zum einen die Masse, zum anderen kannten alle die Wirkungslosigkeit derartiger Maßnahmen. Also entstand die Idee, ein alternatives Stadionprojekt zu entwickeln. Bloß, wer konnte das schon? Zum Glück bot sich das Kulturzentrum Schlachthof (Industriebau aus dem vorletzten Jahrhundert, der von ehemaligen Besetzern zu einem Kultur- und Kommunikationszentrum mit Kulturwerkstätten und überregionalem Kulturprogramm ausgebaut wurde) mit seiner Werkstatt für Gestaltung an, das Projekt und die Fans zu unterstützen. Aus einem losen Haufen interessierter Fans wurde die Ostkurvengruppe, die sich nun regelmäßig im Schlachthof traf und an einem Architekturmodell im Maßstab von 1:50 bastelte. Dabei wurde klar, dass es nicht nur Stehplätze in der neuen Ostkurve geben sollte, sondern auch Räumlichkeiten für die Fußballfans. Schließlich plante der SV Werder für zahlungskräftiges Publikum auch so genannte VIP-Logen in der neuen Südtribühne. Nachdem das Projekt fertig gestellt war, wurde es unter dem Slogan „Sitzen ist für’n Arsch“ der Öffentlichkeit, dem SV Werder und der bremischen Politik vorgestellt. Die Wirkungskraft dieser Initiative von Fans und Fan-Projekt war erstaunlich. Nicht nur, dass sie in Bremen für Furore sorgte, sondern bundesligaweit standen die Fans auf und forderten den Erhalt ihrer Stehplätze.
Auf diese Weise gelang es dann tatsächlich, der Stadt und dem Verein sowohl eine große Zahl von Stehplätzen für die jugendlichen Werderfans abzuringen, als auch eigene Räumlichkeiten für die Fangruppen in der Ostkurve zu bekommen. Und auch in allen anderen Stadien, in denen der Umbau der Kurven stattfand, konnten die Stehplätze der Fans erhalten werden. Aufgrund politischer Querelen (Ampelkoalition in Bremen) konnte die neue Ostkurve aber erst 1997 fertiggestellt werden. In dieser Zeit entwickelte das Fan-Projekt Bremen weitere Angebote, die die Fanarbeit in Deutschland beeinflussen sollten. Zum einen waren dies die so genannten U16-Fahrten, Auswärtsfahrten speziell um den Nachwuchs der Fanszene zu erreichen, zum zweiten die Mädchenarbeit in einer männlich dominierten Szene, mit besonderen Angeboten und Maßnahmen für Mädchen und junge Frauen, und drittens internationale Begegnungsfeste, bei denen sich die Fans aus Bremen und dem europäischen Ausland kennen lernen können.

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